"Jedes Kraut, ausgenommen den giftigen, stellt ein Nahrungsmittel dar. Falsch ist es sich an einzelne Kräuter zu gewöhnen und nur mehr auf sie zu zurückzugreifen. Jedes Nahrungsmittel verliert seine Eigenschaft als natürliches Heilmittel, wenn es zu lange, zu einseitig und ausschließlich gegessen oder getrunken wird. Die gebräuchliche Zubereitungsform ist der Tee, es gibt aber noch andere Möglichkeiten, Kräuteranwendungen durchzuführen."
Kopf 2

"ABKOCHUNG (DEKOKT) Starke Blätter, Stängel, Früchte und Wurzeln stellt man in kaltem Wasser zu, bringt sie zum Kochen und lässt sie auf kleiner Flamme 5-10 Minuten sieden, dann seiht man ab. Kümmel, Anis und Fenchel werden vorher zerkleinert. Rinden, Heublumen und Haferstroh haben einen längere Kochzeit

ABSUD Der Absud wird wie der Aufguss zubereitet, doch lässt man das Wasser mit den Heilkräutern kurz aufwallen (1-2 Minuten) und etwa 5 Minuten ziehen, dann seiht man ab.

AUFGUSS (INFUS) Die gebräuchlichste Art der Teezubereitung ist der Aufguss. Blüten und Blätter übergießt man mit kochendem Wasser und lässt sie 3-5 Minuten ziehen, dann seiht man sie ab.

BAD Es wird eine größere Menge an Teeauszug hergestellt, die man dem Wasser für Voll- oder Teilbäder zufügt.

INHALATION Man übergießt eine größere Menge der gewünschten Droge mit kochendem Wasser. Man atmet die aufsteigenden Dämpfe ein, dabei deckt man Kopf und Schüssel mit einer Schüssel mit einem Tuch ab.

KALTWASSERAUZUG (MAZERAT) Schleimige Pflanzen weicht man in kaltem Wasser mehrere Stunden ein und laugt sie so aus. Vor dem Gebrauch wird der Auszug kurz angewärmt. Für Säckchenauflagen dürfen Kräuter nur angespritzt oder im Dampfbad gedünstet werden.

LIKÖR Aus vielen Kräutern oder Früchten kann man Liköre zubereiten. Man nimmt auf 1 Liter Beeren oder Kraut ½ Branntwein oder 50%igen Alkohol und lässt dies 2-3 Wochen an einem warmen Ort stehen. Dann wird die Flüssigkeit abgeseiht und mit ½ kg Zucker verrührt, bis dieser aufgelöst ist, und verschlossen aufbewahrt. Je älter der Likör, desto schmackhafter ist er.

ÖL Man gießt so viel kaltgepresstes, hochwertiges Öl über die Kräuter, dass diese bedeckt sind. Man lässt die Mischung 2-3 Wochen an einem warmen Platz stehen. Die Kräuter werden anschließend ausgepresst, das Öl wir in dunklen Flaschen gelagert. Ätherisches Öl entsteht auf diese Weise nicht, dieses wird durch Destillation gewonnen. Ölauszüge verwendet man sowohl äußerlich, als auch zum Einnehmen.

PULVER Getrocknete Wurzeln, Blätter, Körner oder Beeren werden fein gemahlen oder im Mörser zerstoßen. Das Pulver wird in gut schließenden Gläsern aufbewahrt und dann messerspitzenweise genommen.

ROHKOST Viele Kräuter, dazu zählen jene, die bereits im zeitigen Frühjahr wachsen, können roh als Salat gegessen werden oder eignen sich dazu, zerkleinert als Suppenbeilage oder Aufwertung einer Gemüsesuppe eingesetzt zu werden.

SAFT Aus manchen Kräutern lassen sich Frischsäfte bereiten. Man verwendet dazu einen Haushaltsentsafter. Man kann die Kräuter auch im Mixer zerkleinern und sie durch ein Leintuch pressen. Manche Kräuter lassen sich auch über Dampf entsaften, dabei gehen allerdings wichtige Vitamine verloren.

SALBEN Ölauszüge der Pflanzen, die man mit geschmolzenem Bienenwachs im Verhältnis 5:1 im Wasserbad verrührt, ergeben hervorragende Salbe. Man rührt die beiden Stoffe so lange, bis die Masse erkaltet ist. Ebenso zielführend ist es, die Kräuter, wie das flüssige Fett aufnimmt, und lässt alles im Wasserbad über Dampf etwa ½ Stunde köcheln. Anschließend in Töpfe füllen und im Kühlschrank lagern.

SIRUP Bei Abneigung gegen Tee oder wenn Flüssigkeitseinschränkung geboten ist, verwendet man gern Sirup. 5 g Kräuter werden über Nacht in 1 L Wasser kalt eingeweicht und in der Früh 2 -3 Minuten gekocht und abgeseiht. Zu dieser Menge gibt man 125g Zucker (bei schleimlösendem Sirup 140g Kandiszucker oder 4-5 EL aufgelöstem Bienenhonig). Bienenhonig soll nie über 50 Grad erwärmt werden, weil man dadurch seine Wirkstoffe zerstört. Wenn Sirup länger aufbewahrt wird, muss er so dick sein, dass er wie ein Faden vom Löffel rinnt. (Meist muss er bis zur Hälfte eingekocht werden)

TEEKUR Tee kuren sollen immer 3-6 Wochen ohne Unterbrechung dauern. Scharfe Kost, Alkohol, Bohnenkaffee und Nikotin schwächen die Wirkung der Kur. Wenn man nach 6 Wochen die Kur fortsetzen will, sollte man eine Pause von 2 Wochen einschalten. Im Allgemeinen nimmt man auf ¼ Liter 1 Esslöffel Kraut. Die gewöhnliche Tagesmenge beträgt ½ Liter. Sie wird so verteilt: 1 Tasse nüchtern, 1 Tasse vor dem Schlafengehen. Es kann aber auch die Menge untertags schluckweise genommen werden, aber nicht unmittelbar vor oder nach dem Essen. Wermut- und Tausendgüldenkrauttee werden nur löffelweise genommen (1/4 Liter Tagesmenge). Tee darf auch mit Zucker oder Honig gesüßt werden (außer bei Zuckerkrankheit oder Durchfall). Besser wirkt er jedoch ungesüßt, mit Ausnahme von Hustentees.

TINKTUR In eine Flasche füllt man ½ l Weingeist, Wein oder Schnaps und 63 Hand voll Beeren oder Kräuter und verschließt sie. Die Flasche stellt man 7-10 Tage an die Sonne oder in die gleichmäßige Wärme (15-20 Grad) und schüttelt sie öfters auf. Dann wird filtriert und die Tinktur gut verschlossen. Nach 8 Tagen ist die Tinktur gebrauchsfertig. Tinkturen werden tropfen- oder kaffeelöffelweise genommen.

UMSCHLÄGE Man tränkt ein Tuch in der Teezubereitung, wringt aus uns legt es auf die zu behandelnden Stellen.

WEIN 1 Hand voll Kräuter werden mit 0,7 l Weißwein übergossen. Das Gefäß wird verschlossen und für 2 Wochen bei Zimmertemperatur stehen gelassen. Anschließend wird gefiltert. Man trinkt den Wein likörchenweise. "

(Literatur: Siegrid Hirsch & Felix Grünberger - Die Kräuter in meinem Garten S. 635 f., 2008)

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